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Kultur frisst Strategie – aber wer füttert die Kultur? | Nordsteg Insights #16

  • Autorenbild: Nicolas Fabjan
    Nicolas Fabjan
  • vor 2 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Jeder kennt den Satz: „Kultur frisst Strategie zum Frühstück.“

Er wird zitiert in Keynotes. Er hängt auf Folien. Er sorgt für zustimmendes Nicken.


Und trotzdem scheitern Unternehmen täglich an genau diesem Punkt.


Nicht, weil die Strategie schlecht ist.

Sondern, weil niemand ehrlich sagen kann, woher die Kultur eigentlich kommt.


Der blinde Fleck


Viele Unternehmen behandeln Kultur wie ein Konzept.


Sie definieren Werte. Sie formulieren Leitbilder. Sie organisieren Workshops.

Das fühlt sich nach Arbeit an. Ist aber oft nur Symbolik.


Denn Kultur entsteht nicht dort, wo sie beschrieben wird.

Sie entsteht dort, wo Führung entscheidet – oder nicht entscheidet.


Kultur ist nicht das, was gesagt wird. Kultur ist das, was toleriert wird.


Die eigentliche Ursache


Kultur ist kein eigenständiges Phänomen. Sie ist ein Nebenprodukt.


Ein Nebenprodukt von dem, was Führungskräfte täglich:

  • durchgehen lassen

  • nicht ansprechen

  • relativieren

  • auf später verschieben


Nicht die großen Entscheidungen prägen Kultur. Sondern die kleinen, unbequemen, die vermieden werden.


Jede tolerierte Abweichung ist ein Kultur-Statement.

Wie Kultur wirklich entsteht


Kultur formt sich nicht in Workshops. Sie formt sich im Alltag.


Zum Beispiel hier:

  • Unpünktlichkeit bleibt ohne Konsequenz

  • Mittelmaß wird mit „passt schon“ quittiert

  • Verantwortung wird weitergereicht

  • Schlechte Kommunikation bleibt folgenlos

  • Standards werden situativ ausgelegt


Das sind keine Einzelfälle. Das ist Kultur.


Denn:

Was nicht korrigiert wird, wird zur Norm.

Warum das so gefährlich ist


Kultur wirkt leise. Aber sie wirkt permanent.


Sie entscheidet:

  • wie Verantwortung wahrgenommen wird

  • wie Entscheidungen getroffen werden

  • wie ernst Ziele gemeint sind

  • wie viel Einsatz wirklich erwartet wird


Strategie kann klar sein. Ziele können ambitioniert sein. Wenn die Kultur widerspricht, gewinnt immer die Kultur.


Nicht, weil sie stärker ist. Sondern, weil sie konsequenter gelebt wird.


Der große Irrtum


Viele Führungskräfte glauben, Kultur sei ein HR-Thema. Oder ein Team-Thema.

Das ist bequem. Und falsch.


Kultur ist ein Führungsprodukt.


Sie entsteht dort, wo Führung:

  • korrigiert

  • einfordert

  • Grenzen zieht

  • Standards verteidigt


Oder eben nicht.

Führung zeigt sich nicht in dem, was du einmal definierst. Sondern in dem, was du täglich stoppst oder laufen lässt.

Warum gute Absichten nicht reichen


Die meisten Führungskräfte meinen es gut. Sie wollen Vertrauen. Sie wollen Freiraum. Sie wollen Harmonie. Doch ohne Klarheit wird Vertrauen zur Beliebigkeit. Und Harmonie zur Ausrede.


Denn:

Führung ohne Reibung erzeugt keine Kultur. Sie erzeugt Unschärfe.

Kultur bewusst führen


Starke Kulturen entstehen nicht durch mehr Regeln. Sondern durch klare Reaktionen.


Durch Führung, die sichtbar macht:

  • Was ist akzeptabel?

  • Was ist nicht akzeptabel?

  • Wo ziehen wir die Linie – immer?


Kultur entsteht durch Wiederholung:

  • gleiche Reaktion auf gleiche Abweichung

  • gleiche Haltung, auch wenn es unbequem ist

  • gleiche Standards, unabhängig von Person oder Situation

Kultur ist Führung in Wiederholung.

Der Prüfstein


Wenn du wissen willst, wie deine Kultur wirklich aussieht, schau nicht auf dein Leitbild.


Schau auf:

  • die letzten fünf Dinge, die du toleriert hast

  • die Gespräche, die du vermieden hast

  • die Standards, die du nicht verteidigt hast


Dort entsteht Kultur. Nicht im Dokument. Nicht im Workshop. Sondern im Verhalten.


Schluss


Strategie kann man ändern. Strukturen kann man umbauen. Kultur ändert sich nur,

wenn Führung ihr Verhalten ändert. Nicht einmal. Sondern konsequent.


Denn am Ende gilt:


Kultur ist, was bleibt, wenn niemand hinsieht.

Und die entscheidende Frage ist nicht, ob deine Kultur deine Strategie frisst.


Sondern:


Was fütterst du ihr jeden Tag?


Nicolas Fabjan – Gründer & CEO Nordsteg

Klartext über Systeme, Marketing und Zukunft.

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