Warum Prioritäten Unternehmen lähmen | Nordsteg #15
- Nicolas Fabjan

- 27. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Viele Unternehmen haben kein Umsetzungsproblem. Sie haben ein Prioritätenproblem. Oder genauer: Sie haben zu viele. Alles ist wichtig. Alles hat Deadline. Alles braucht Aufmerksamkeit. Und genau deshalb passiert zu wenig.
Das Problem mit Prioritätenlisten
Prioritätenlisten gelten als Führungsinstrument. In der Praxis sind sie oft das Gegenteil. Denn was viele 'Priorisierung' nennen, ist nur Aufschub mit Struktur: Projekt A ist wichtig, Projekt B auch, Projekt C eigentlich noch mehr. Am Ende bleibt alles oben. Und nichts wird entschieden.

Die typischen Symptome
Teams arbeiten parallel an zu vielen Themen, Entscheidungen werden vertagt, Fokus wechselt wöchentlich, Fortschritt fühlt sich nach Bewegung an – nicht nach Wirkung. Operativ entsteht Aktivität. Strategisch entsteht Stillstand.
Denn Prioritäten ohne Konsequenz sind keine Führung. Sie sind Moderation.
Warum Priorisierung scheitert
Prioritäten scheitern nicht an Disziplin. Sie scheitern an fehlender Entscheidungslogik. In vielen Organisationen ist unklar: Wer entscheidet, was wichtiger ist? Nach welchem Prinzip? Was bewusst nicht gemacht wird? Also bleibt alles offen. Niemand will falsch entscheiden. Also entscheidet man gar nicht.

Viele CEOs reagieren mit Tools: Top-3-Prioritäten, Quartalsziele, OKRs ohne Kontext. Das Problem: Ohne klare Entscheidungsregeln werden auch diese Listen politisch. Dann gilt: Das Lauteste gewinnt, das Dringendste verdrängt das Wichtige, das Operative frisst das Strategische.
Der andere Ansatz
Reife Organisationen denken Priorisierung anders. Nicht: Was machen wir noch? Sondern: Was lassen wir bewusst bleiben? Echte Priorisierung braucht drei Dinge: Ein klares Zielbild, Entscheidungsprinzipien, und Konsequenz. Erst dann entsteht Fokus. Nicht durch Listen – sondern durch Verzicht.
Viele Führungskräfte vermeiden harte Prioritäten, weil sie Konflikte auslösen. Doch genau das ist Führung: Erwartungen klären, Enttäuschung aushalten, Richtung vor Harmonie stellen. Fokus ist kein Team-Tool. Fokus ist eine Führungsentscheidung.

Das Fazit
Wenn dein Unternehmen viel arbeitet, aber wenig vorankommt, liegt das selten an Motivation oder Talent. Oft liegt es daran, dass niemand entscheidet, was wirklich zählt. Denn Klarheit entsteht nicht durch mehr Prioritäten. Sie entsteht durch weniger.
Nicolas Fabjan – Gründer & CEO Nordsteg
Klartext über Systeme, Marketing und Zukunft.



Kommentare