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Warum intelligente Entscheider Unternehmen ruinieren – ohne es zu merken

  • Autorenbild: Nicolas Fabjan
    Nicolas Fabjan
  • 17. Dez. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Diese Geschichte ist kein Einzelfall.


Sie passiert gerade in hunderten Unternehmen – leise, rational begründet und vollkommen vermeidbar.


Er war intelligent. Sehr intelligent. Schneller Verstand. Erfolgreicher Vertriebsleiter. Zahlenmensch. Entscheider. 


Und genau deshalb dachten wir: Er wird es verstehen.


Wir zeigen ihm die Analytics. Er sieht die Customer Journey. Er erkennt das Muster. Und handelt richtig.


Wir irrten uns. Nicht, weil ihm Intelligenz fehlte. Sondern weil ihm etwas anderes fehlte:

Die Fähigkeit, Zeitverzug zu führen.

Die Ausgangslage: Ein System mit Verzögerung


Wir waren die Performance-Agentur. Weltweit. B2C. Das Marketing funktionierte. Stabil. Profitabel.


Wichtigster Punkt: Das Produkt war kein Impulskauf.

Vom ersten Klick bis zum Kauf vergingen im Schnitt 87 Tage.

Das bedeutet: Du steuerst nicht Anzeigen → Umsatz.

Du steuerst Kohorten.


Jede Woche startet eine neue Gruppe potenzieller Kunden.

Diese Gruppen brauchen Zeit.


Was du heute investierst, siehst du in Wochen


Entscheidung ohne Zeitlogik


Intern eskalierte ein Konflikt. Der CMO ging. Wochenlang fehlten Entscheidungen. In dieser Lücke wurde das Budget gekürzt. Nicht aus Strategie. Sondern weil niemand da war, der das System verteidigte.


Kampagnen liefen weiter – mit kleineren Kohorten. Die Pipeline begann zu schrumpfen. Unsichtbar. Aber real.


Dann übernahm er. Vertrieb im Blut. Ergebnisfokus.

Sein Denkmodell war klar – und fatal einfach:

Investment → Ergebnis. Jetzt.

Die Warnung, die nicht ankam

Wir legten alles offen:


  • Customer Journey: 87 Tage

  • Kohortenlogik: ~13 Wochen

  • Aktueller Umsatz = Entscheidungen aus der Vergangenheit


Wir sagten:

„Vergleiche nicht diese Woche Budget mit dieser Woche Umsatz.

Er nickte. Theoretisch.

Dann kam der Satz, der alles erklärt:

„Ich investiere 10.000 Euro diese Woche. Ich will diese Woche Ergebnisse sehen.“

Und als wir erneut auf die 13 Wochen verwiesen:


Budget ausgeben, ohne sofortiges Ergebnis

Das war kein Geiz. Keine Dummheit. Kein Trotz.


Es war Present-Bias in einem verzögerten System.

Oder einfacher gesagt:

Er führte ein System, das Zeit braucht, mit der Erwartung von Sofort-Ergebnissen.

Rationaler Selbstzerstörungsprozess


Die ersten Wochen sahen gut aus. Weniger Budget. Ähnlicher Umsatz. 

Der ROI stieg!


Der Fehler: Das war nicht seine Leistung.

Das waren die Kohorten von davor.


Dann – Wochen später – sanken die Umsätze. Nicht dramatisch. Aber messbar. 


Die Reaktion war logisch. Und tödlich.


  • Sinkender Umsatz → Budgetkürzung.

  • Budgetkürzung → kleinere Kohorten.

  • Kleinere Kohorten → später noch weniger Umsatz.


Man bekämpft ein Problem in der Gegenwart und programmiert den Kollaps der Zukunft.

In den letzten Wochen sprach niemand mehr über Wachstum.

Nur noch über Kosten.

Und irgendwann nicht einmal mehr darüber.


Die Lektion


Es war nie ein Marketing-Problem. Es war ein Führungsproblem.

In verzögerten Systemen gilt:


  • Stabilität schlägt „Effizienz“

  • Kohorten schlagen Wochenvergleiche

  • Führung schlägt Aktionismus


Nicht jedes Problem ist ein Leistungsproblem.

Manche Probleme sind ein Zeitproblem.


Das Fazit


Er war intelligent. Aber er konnte die 13 Wochen nicht sehen.

Und in Systemen mit Zeitverzug gilt ein Gesetz:

Ungeduld ist die teuerste Entscheidung.

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